Was ein Leistungswert ist
Der Leistungswert gibt an, wie viel Fläche eine Reinigungskraft in einer Stunde in definierter Qualität bearbeiten kann: üblicherweise in Quadratmetern pro Stunde, kurz m²/h.
Er ist die Brücke zwischen Fläche und Stundenbedarf. Zusammen mit dem Stundenverrechnungssatz bildet er den gesamten Preis eines Reinigungsvertrags:
Fläche ÷ Leistungswert = Stundenbedarf je Durchgang
Ein Beispiel für die Größenordnung: Bei 3.000 m² Bürofläche macht ein Unterschied von nur 100 m²/h, etwa 400 statt 500, rechnerisch 1,5 Stunden pro Durchgang aus. Bei fünf Durchgängen pro Woche sind das über 350 Stunden im Jahr. Ein scheinbar kleiner Unterschied im Leistungswert bewegt fünfstellige Beträge.
Was den Leistungswert beeinflusst
Es gibt keinen Wert „für Büro“. Derselbe Raumtyp kann sich um den Faktor zwei unterscheiden. Diese Größen sind entscheidend:
| Einflussgröße | Wirkung |
|---|---|
| Möblierungsgrad | Je mehr Hindernisse, desto langsamer. Ein leerer Flur und ein vollgestelltes Großraumbüro sind nicht vergleichbar. |
| Raumgröße und -zuschnitt | Viele kleine Räume kosten Wegezeit und Rüstzeit an jeder Tür. Große zusammenhängende Flächen sind deutlich effizienter. |
| Bodenbelag | Textil, Hartbelag, Fliese, Naturstein, unterschiedliche Verfahren, unterschiedliche Geschwindigkeit. |
| Verschmutzungsgrad | Nutzungsdichte, Publikumsverkehr, Witterung, Eingangsbereiche. In Sanitärbereichen der wichtigste Faktor überhaupt. |
| Qualitätsanspruch | „Sichtreinigung“ und „normgerecht sauber“ sind zwei verschiedene Aufträge mit zwei verschiedenen Werten. |
| Verfahren und Ausstattung | Vorpräparierte Systeme, Maschineneinsatz und Wagenausstattung verändern den Wert erheblich, meist stärker als das Arbeitstempo. |
| Wege und Zugänge | Aufzüge, Schließsysteme, verteilte Etagen, Lagerräume. Zeit, die niemand als Reinigung wahrnimmt, aber jeder bezahlt. |
| Arbeitszeitfenster | Reinigung im laufenden Betrieb ist langsamer als in leeren Räumen. Rücksicht, Umgehen, Unterbrechungen. |
Marktgerecht oder machbar
Diese Unterscheidung ist der Kern des Themas und wird in der Praxis regelmäßig verwischt.
Der machbare Leistungswert beschreibt, was unter guten Bedingungen erreichbar wäre: eingespielte Kraft, freie Fläche, passendes Gerät, keine Störung. Er ist kein Fantasiewert, er wird tatsächlich erreicht, nur eben nicht dauerhaft und nicht überall.
Der marktgerechte Leistungswert berücksichtigt die realen Bedingungen des konkreten Objekts: Möblierung, Nutzungsdichte, Wege, Rüstzeiten, Einarbeitung neuer Kräfte, Krankheitsvertretung, den Qualitätsanspruch des Auftraggebers.
In Angeboten wird häufig mit machbaren Werten gerechnet, weil sie den Preis attraktiver machen. Im Betrieb gilt aber der marktgerechte Wert. Die Differenz wird dann über Personalmangel, Verkürzung der Leistung oder Überlastung ausgeglichen, und landet früher oder später als Qualitätsbeschwerde auf dem Tisch.
Wie man einen Leistungswert ermittelt

- Raumarten bilden. Nicht jede Fläche einzeln, sondern Gruppen mit gleicher Charakteristik: Büro möbliert, Flur, Sanitär, Treppenhaus, Besprechungsraum, Technikfläche.
- Referenzflächen auswählen. Je Raumart eine typische Fläche, nicht die beste und nicht die schlechteste.
- Zeit messen. Über mehrere Durchgänge und möglichst mit verschiedenen Personen, damit individuelle Unterschiede sich ausgleichen. Rüst- und Wegezeiten müssen dabei erfasst werden, nicht nur die reine Bearbeitung.
- Zuschläge festlegen. Für Einarbeitung, Störungen und Sonderaufwand, ein realistischer Aufschlag auf den gemessenen Wert.
- Gegen die Erfahrung prüfen. Passt der Wert zu vergleichbaren Objekten im eigenen Bestand? Deutliche Abweichungen sind ein Hinweis auf einen Messfehler oder auf eine Besonderheit, die man benennen sollte.
Zeitaufnahmen sind gegenüber Mitarbeitenden erklärungsbedürftig und je nach Ausgestaltung mitbestimmungspflichtig. Sprechen Sie das vorher an, offen erklärte Messungen liefern bessere Daten als heimliche.
Angebote zurückrechnen
Als Auftraggeber müssen Sie keine Leistungswerte ermitteln, um ein Angebot zu prüfen. Es genügt, den unterstellten Wert sichtbar zu machen:
- Angebotene Stunden je Durchgang aus dem Angebot entnehmen, oder aus Angebotssumme und Stundenverrechnungssatz errechnen.
- Fläche durch diese Stunden teilen. Das Ergebnis ist der Leistungswert, mit dem der Anbieter kalkuliert hat.
- Diesen Wert je Raumart mit Ihren Erfahrungswerten oder mit den anderen Angeboten vergleichen.
Auffällig hohe Werte in Sanitärbereichen und in stark möblierten Büros sind das häufigste Warnsignal. Beide Raumarten sind zeitintensiv, und beide werden in optimistischen Kalkulationen zuerst geschönt, weil sie flächenmäßig klein wirken.
Leistungswerte verbessern, ohne zu hetzen
Wenn ein Objekt wirtschaftlich nicht trägt, ist der Reflex, schneller arbeiten zu lassen. Das funktioniert nicht, es erzeugt Qualitätsmängel und Fluktuation. Wirksam sind fast immer strukturelle Hebel:
- Verfahren umstellen: vorpräparierte Wischsysteme sparen Rüst- und Wegezeiten spürbar.
- Wege verkürzen: ein zweiter Materialstandort in einem großen Gebäude kann mehr bringen als jede Verfahrensänderung.
- Revierzuschnitt ändern: zusammenhängende Bereiche statt verteilter Flächen.
- Frequenzen differenzieren: nicht jede Fläche braucht dieselbe Häufigkeit. Das ist mit dem Auftraggeber zu vereinbaren, nicht einseitig zu beschließen.
- Maschineneinsatz prüfen: bei großen freien Flächen häufig der größte Hebel, wenn die Amortisation stimmt.
Was oft verwechselt wird
Was ein Leistungswert ist
Der Leistungswert gibt an, wie viel Fläche eine Reinigungskraft in einer Stunde in definierter Qualität bearbeiten kann, meist in Quadratmetern je Stunde. Er ist die Brücke zwischen Fläche und Stundenbedarf und damit die zweite große Stellschraube jeder Kalkulation neben dem Stundenverrechnungssatz.
Marktgerecht ist nicht dasselbe wie machbar
Der machbare Wert beschreibt, was unter idealen Bedingungen erreichbar wäre. Der marktgerechte Wert berücksichtigt die tatsächlichen Bedingungen im Objekt: Möblierung, Nutzungsdichte, Wege, Rüstzeiten, Qualitätsanspruch. Angebote scheitern häufig daran, dass mit machbaren statt marktgerechten Werten kalkuliert wurde.
So prüfen Sie einen Wert im Angebot
Rechnen Sie zurück: Fläche geteilt durch angesetzte Stunden ergibt den unterstellten m²/h-Wert. Vergleichen Sie diesen Wert je Raumart mit den eigenen Erfahrungswerten. Auffällig hohe Werte in Sanitärbereichen oder stark möblierten Büros sind das häufigste Warnsignal.
Warum hier keine Tabellenwerte stehen
Es kursieren Richtwerttabellen, und sie können als grobe Orientierung dienen. Belastbar sind sie nicht: Sie sagen nichts über Möblierung, Nutzung und Qualitätsanspruch des konkreten Objekts. Wir nennen deshalb bewusst keine Zahlen, weil sie ohne diese Angaben mehr Schaden anrichten als Nutzen stiften. Eigene, gemessene Werte sind jeder Tabelle überlegen.